Spielphilosophie

Grundlegendes
Ein Rollenspiel soll in erster Linie allen Spaß machen, dass ist unser oberstes Ansinnen.
LARP darf auch eine Selbsterfahrung sein, die sich so nirgends sonst simulieren lässt, in der normalen Welt bewegt man sich ja gerne in einer Wohlfühlzone. Diese Komfortzone wollen wir für ein paar Stunden verlassen, ohne das dir dabei reale Konsequenzen drohen. Hast du dich jemals gefragt, wie es sich anfühlt von allen gehasst zu werden? Oder einfach mal „Nein“ zu sagen?
Wir wollen diese Gelegenheit bieten, um Fragen zu klären, die man sich  theoretisch stellt aber nie praktisch umsetzen kann.
 Auch bringen wir dich als Spielleitung in Versuchung moralisch fragwürdige Situationen zu bestehen.
Wir schützen diesen Rahmen und stellen Möglichkeiten genau diese Verhaltensweisen auszutesten, deine eigenen Grenzen zu finden und diese auch zu überschreiten.

Das OT-Miteinander
Liverollenspiel lebt von zwischenmenschlicher Interaktion und von Konflikten. Das wollen wir auch, denn diese Art Charakterspiel bereichert unser Universum ungemein.
Allerdings legen wir großen Wert darauf, dass wir uns ausschließlich auf der IT-Ebene Streitigkeiten/ Missverständnisse wünschen und hoffen, dass OT-Konflikte aktiv vermieden werden.
Unter anderem hierfür haben wir diese Spielphilosophie entwickelt. Im Grunde ist alles, was darin steht selbstverständlich. Im OT-Konfliktfall behalten wir uns als Spielleitung das letzte Wort vor. Verstöße gegen einzelne Punkte werden von uns entsprechend geahndet und können Konsequenzen nach sich ziehen.

  1. Wir schätzen Vielfalt auf unserem Spiel. Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Alter, Ethnie, Herkunft, Religion, Behinderung, sexueller Orientierung, genetischer Informationen oder sonstiger Merkmale werden nicht toleriert. Auch haben Beleidigungen dieser Art IT nichts zu suchen.
    Wenn du jemanden im Spiel beleidigen willst, dann nur aufgrund von IT-Merkmalen (politische Zugehörigkeit, Wahl der Kleidung, magische Abstammung etc).
  2. Drückt jemand sein Unwohlsein bei Handlungen oder in einer Situation mit dir aus, stell diese unverzüglich ein. Nein heißt nein. Jede_r hat unterschiedliche Grenzen. Diese sind anzuerkennen und einzuhalten. Respektiert eure Mitspieler_innen und die Regelmechanismen, die wir dafür im Regelwerk haben.
  3. Das persönliche Wohlbefinden ist wichtiger als ein gelungenes Spiel. Nehmt Rücksicht aufeinander. Wenn du also nicht sicher bist, ob für deine/n Mitspieler_in etwas OT in Ordnung ist, frag einfach nach.
  4. Gibt es problematische Situationen, versuch (wenn möglich) diese anzusprechen, dich dieser Situation zu entziehen und/ oder eine SL (wenn nicht erreichbar NSC oder andere Mitspieler_innen) hinzuzuziehen. Wir helfen.
  5. Sexuelle Belästigung und Vergewaltigungen werden nicht als Spielinhalt toleriert. OT stellt das eine Straftat dar und wird zur Anzeige gebracht.

Historische Bezüge und Kleine Ängste
Sämtliche Bezüge zu historischen Hintergründen, unter anderem der Gesinnung von Gellert Grindelwald, sind rein fiktiv und werden von uns auch in unseren Spielen unverblümt aufgegriffen, da diese in die Welt gebracht wurden und die magische Welt und deren Vergangenheit einfach ausmachen. Diese Hintergründe spiegeln aber in keinster Weise die Gesinnung der Spielleitung wieder und wir distanzieren uns auch ausdrücklich von dem realen Bezug der Grindelwald leider nicht abzusprechen ist.

Unsere Spielidee
Es ist keine Horror-Splatter-Jump Scare Con und auch keine Horror-Clown Action Spiel. Wir stellen uns vor, dass es sich um ein Mysterie-Abenteuer-Spiel mit düsteren Elementen handeln wird, in dem es durchaus auch zu Schreckmomenten kommen wird.

Die Stimmung ist allgemein bedrückt und im grossen Ganzen hat man die Wahl zwischen dem grösseren oder kleineren Übel.
Natürlich braucht es auch in dieser Zeit Helden und Denker, Rätselknacker und Stimmen der Vernunft.
Dennoch ist jedem klar, dass das Magiesterben ein Thema ist, dass uns alle gleich betrifft und es keine Happy-End Lösung geben wird.
Wir freuen uns schon mit euch eine herausfordernde Kampagne, mit vielen äußeren und inneren Konflikten, zu spielen.
Auch werden wir kein Abschottungsszenario machen, bitte suche innerhalb deiner Rolle nach der persönlichen Motivation weiterzumachen.

Intensität des Spieles
Wir betten deinen Charakter in die Geschichte ein und sorgen für eine Welt mit vielen  Möglichkeiten – du entscheidest, wie tief du einsteigen möchtest und in wie viele Konflikte du dich stürzen willst.
Wir werden Punkte ansprechen, die es auch in der Wirklichkeit gibt und die dich vielleicht sogar persönlich betreffen, aber wir spielen nur und nichts davon ist real. Deine Tabus haben wir innerhalb deines Plots berücksichtigt und dort nicht auftauchen lassen.

Auch werden wir Spiel in der Nacht betreiben, du entscheidest ob du das durchhältst oder lieber schlafen möchtest.

Natürlich kannst du auch aktiv etwas machen.
Bist du die Person, die in einer intensiven Spielszene deinem Gegenüber die Meinung geigt? Dann achte bitte darauf, dass du für deinen und den Spielspaß der anderen Person verantwortlich bist. Szenen spielen sich hoch und solltest du die Handbremse lösen, dann teile es der anderen Person unbedingt mit und gib ihr die Chance die Eskalation zu verhindern.

Wie geht das?

  • „Wenn du nicht sofort stehen bleibst, dann bring ich dich zum Stehen!“

Die Person geht weiter, dann mach deine Drohung wahr.
Bleibt sie stehen, dann ist es ein Zeichen für „mach das bitte nicht“ und dann tue es auch nicht !

Das funktioniert auch andersrum sehr gut

  • „Bleib hier und ich werde normal mit dir reden“

Geht die Person weiter, werde unfreundlicher. Bleibt sie stehen, fahre dich runter und spiel sanfter.

Ist eine Situation intensiv, dann baue diese Mechanik ein.

Zusammengefasst fragst du dein Gegenüber, wie weit es gehen darf und soll und die Person reagiert und sagt dir damit wie emotional es werden darf.

Bist du die Person, die angegangen wird, ist es deine Aufgabe auf dich zu achten. Stelle dir innerlich folgende Fragen:

  • Macht es mir noch Spaß?
  • Darf es mehr sein?
  • Wird dir das zu emotional?

Wichtig ist: Dein Gegenüber kann dir nur bis vor den Kopf schauen, die Person kann nicht sehen, wie es dir Outtime damit geht. Wird es dir zu viel, dann nutze die Codewörter aus dem Regelwerk und gehe nicht Outtime, sofern es nicht dringend erforderlich ist.

Spielangebote
Wir als Spielleitung werden dir das ein oder andere Angebot unterbreiten. Meistens durch unsere NSCs. Aber auch durch die Spieler*innen können Angebote kommen, ob bewusst oder unbewusst.
Wie erkennst du das Angebot?

  • Achte nicht nur auf dich und deine Geschichte, sondern Lauf mit offenen Augen durch das Spiel. Diebt jemand das Buch oder den Stab einer anderen Person und du bekommst das mit, dann folgt die Reaktion.
  • Auf jede Aktion folgt eine Reaktion. Bleiben wir bei dem eben genannten Beispiel: Der Dieb schleicht sich aus der Szene und freut sich sichtbar. Jetzt bist du an der Reihe, reagiere darauf. Verrate den Dieb oder erpresse ihn danach, egal was, aber reagiere. Das erzeugt Spiel.

Play to struggle
Oder auch „Bring dich bitte in Schwierigkeiten“. Der schöne Effekt dabei ist, du bindest andere mit ein. Szenen und Geschichten können dadurch gemeinsam erlebt und gemeistert werden.

  • Solltest du etwas machen, dass eindeutig verboten ist, lass dich dabei erwischen und generiere so Spiel.
  • Der Auror hat dich gerade verraten? Registriere das und reagiere darauf. Konfrontiere ihn, bespitzel ihn, um dich zu rächen oder beginne eine Blutfehde. Ganz egal, Hauptsache du tust etwas.
  • Verlieren ist gewinnen, übermächtige und alles im Griff habende Charaktere sind meist diejenigen mit dem geringsten Spielspaß.

Play to Drama („Konfliktspiel“)
Konflikte machen die meisten Geschichte aus. In der normalen Welt ist es toll, wenn sich alle gut verstehen, aber für ein LARP ist das kein gutes Fundament. Wir wünschen uns eine Situation, mit der du als Charakter nicht zufrieden bist. Die beste Möglichkeit ist es, wenn der Konflikt zwischen zwei oder mehr Personen besteht, da außer dir ja noch anderen Personen am Spiel teilnehmen.
Wie kann man das machen?

  • Erkenne erstmal das Spielangebot. Das kann man sich vorher schon in den Charakter schreiben, wenn man andere Teilnehmer*innen kennt. Oder die SL macht das, wenn sich in deinem Charakter etwas anbietet. Dann kannst du schöne Sätze lesen wie z.B. „Emma Meyer war mit dir in der Schule und sie hat dir deinen Freund ausgespannt“. Das ist ein Angebot Emma entsprechend gegenüber zu treten.
  • Andere bieten sich auf dem Spiel selbst, du kannst da vielleicht Sachen hören oder beobachten, die deinem Charakter absolut gegen den Strich gehen und die sich zu einem Konflikt entwickeln können. Bei beidem gilt: Nimm es auf und nutze es.

Beleidigungen
Gerade bei Beleidigungen ist es wichtig, dass euer Gegenüber diese richtig einzuordnen weiß und sofort versteht, dass dies ein Spielangebot und keine ernst gemeinte Verunglimpfung ist.